Sind Cheatdays „erlaubt“? Low Carb Ausnahmenmanagement

von | 03. Apr. 2019 | Basiswissen Low Carb, Low Carb im Alltag | 0 Kommentare

Ausnahmenmanagement in der Ernährungsumstellung

Wer kann und will zu 100% konsequent nach einer einzigen Ernährungsform leben? Also wir nicht. Nicht, weil wir Low Carb und Keto aus irgendwelchen Gründen nicht mögen, sondern weil es manchmal halt auch unpraktisch ist. Oder wir möchten tatsächlich auch mal was essen, das wir früher total mochten :) Kommt vor.

Wie wichtig ist also absolute Disziplin und was geht kaputt, wenn man mal aus der Reihe tanzt?

Die häufigste Frage aller Anfänger

“Sind bei Low Carb Cheatdays erlaubt?”
“Kann ich einen Refeed machen?”
“Darf ich überhaupt noch ausgehen oder geht das gar nicht mehr?”

Das scheint das Hauptanliegen aller Anfänger zu sein. Manchmal kommt man sich fast ein bisschen wie bei der Arbeit vor. “Wann kann ich Pause machen?” und “Wann hört das endlich auf?”

Selbstverständlich kann man hier und da mal eine Ausnahme machen und kommt deswegen trotzdem nicht in die Low Carb Hölle. Man muss es halt nur im Griff behalten und dabei aufpassen, dass man sich nicht zu sehr auf der eigenen Liberalität ausruht.

Wenn wir das Spiel mal umdrehen, wird es vielleicht klarer.

Der FastFood-Junkie, der 1x im Monat einen Salat oder eine selbstgekochte Mahlzeit isst, wird davon weder gesund noch schlank. Auch bei 1x pro Woche haben wir vermutlich noch keine sichtbaren veränderungen, aber vielleicht lebt er ein paar Monate länger. Bei 1x am Tag wird er aber gewaltige gesundheitliche Veränderungen spüren.

Umgedreht ist das ähnlich. Eine “ungesunde” Mahlzeit im Monat tut dir letztlich nichts. Eine pro Woche nicht viel. Ein Cheatmeal am Tag? Way to go… Willkommen zurück in der Industrienahrung.

Im Prinzip war das aber auch schon die Antwort auf die grundsätzliche Frage: Ausnahmen sind manchmal schon ok, solange du es noch im Griff hast. Und solange du damit leben kannst, dass du langsamer abnimmst – falls Abnehmen dein Ziel ist.

Werfen Ausnahmen dich zurück?

Klar. Alles hat Konsequenzen. Aktion und Reaktion gilt überall.

Wenn du inkompatible Nahrung isst oder trinkst, dann wird sich das auswirken. Natürlich immer abhängig davon, was und wieviel du zu dir nimmst. Und wie häufig natürlich.

Wenn deine Ausnahme aus einem Stück Knoblauchbaguette beim Grillen besteht, dann wirst du das kaum spüren, falls du nicht gerade stark Glutenintolerant bist.

Ist dein “Unfall“ aber eine Familienpizza + 1,5 Liter Vollzucker-Cola + ein großer Schoko-Eisbecher als Nachtisch… dann brauchst du dich nicht zu wundern, wenn dir erstens saumäßig übel wird und du außerdem in den nächsten 3 Tagen zwei Kilo zulegst, die du nicht bestellt hast.

Ein großer Teil davon wird zwar Wasser und Speichercarbs sein, aber einiges davon wird sicherlich auch zu Speicherfett. Das ist letztendlich auch kein Drama, aber es wirft dich definitiv zurück.

Und dann wär da noch der Trigger

Neben der reinen Makro- und Kalorientheorie gibt es da noch einen anderen Faktor, der zumindest für Vroni und mich tatsächlich und auch heute noch ein Problem sein kann.

Wenn man sich zu einer Ausnahme entschließt, dann kann das ungünstige Ausmaße annehmen. Ein Krapfen bleibt nicht ein Krapfen. Eine Handvoll Chips wird schnell eine Tüte. Aus dem einen Stück Schokolade wird gleich mal eine Tafel.

Das muss natürlich nicht für jeden gelten, aber wenn bei Vroni und mir der Damm bricht, dann müssen wir aufpassen und uns am Riemen reißen.  

Ich kann ohne weiteres eine Tafel Schokolade und eine ganze Pizza alleine essen. Ich sollte nur nicht. Aber wenn ich mal anfange… Selbstbeherrschung 5 minus, setzen.

Geht dir das auch so? Oder kannst du “ein kleines Stückchen” essen und dann wirklich aufhören? Ich nicht.

Wenn das dann zu oft vorkommt, geht alles zum Teufel.

Was heißt das dann in der Praxis, wie kannst du damit umgehen?

Also erstmal nicht aufregen. Es gibt Situationen, in denen du keine Wahl hast, außer vielleicht gar nichts zu essen. Und selbst das ist in bestimmten sozialen Situationen keine Option.

Wenn es so ist, dann ist das halt so. Also genießen, aufessen und mit der nächsten Mahlzeit geht es halt normal weiter. Kein Grund auszuflippen oder sich darüber zu ärgern.

Im Urlaub sieht es ähnlich aus. Wenn du unterweg bist und vielleicht die kulinarischen Besonderheiten der jeweiligen Region genießen willst, dann mach das doch. Wichtig ist eher, was zuhause passiert UND du mit den negativen Konsequenzen klar kommst. Wir machen das jedenfalls so. Heißt nicht, dass wir in Italien jeden Tag Pizza und Pasta essen würden, aber die Cheatfrequenz wär schon deutlich höher.

Das gleiche Lied spielt, wenn wir eingeladen werden. Zum Essen, zu Hochzeiten oder sonstigen Feiern. Wir folgen den Einladungen natürlich, wir sind ja keine Außenseiter. Und wir essen dort auch, was es dort gibt. Natürlich versuchen wir trotzdem LC-Optionen zu wählen und wenn das gar nicht geht, dann zumindest von dem “bösen Zeug” so wenig wie möglich zu essen.

Das sind alles so ungeplante oder seltene Events, bei denen man wirklich auch mal ganz entspannt bleiben kann.

Ständige Cheatdays sind eher doof

Ungünstig ist es dagegen, vor allem aus psychologischer Sicht, wenn du regelmäßige Ereignisse als Ausnahmetage einplanst.

Mädelsabend, jeden Donnerstag beim Italiener? Halte dich an kompatible Speisen und lass Pizza, Pasta und Tiramisu lieber stehen. Weil wenn du an diesen Tagen geplant cheatest, dann läuft das ganze irgendwann aus dem Ruder. Ziemlich schnell sogar.

“Heute Abend gibt’s eh Pizza, dann macht der Muffin zum Kaffee jetzt auch nix aus.”
“Morgen ist sowieso Mädelsabend, dann kann ich jetzt auch ein Eis als Nachspeise haben.”

Man lebt irgendwann nur noch von Cheatday zu Cheatday. Wir haben das mitgemacht. 10 Weeks Body Change mit Detlef D! Soost? Jeden Sonntag war Cheat/Refeed. Alles futtern ohne Limit – und genau das haben wir dann auch gemacht. Chips. Schokolade und alle anderen Süßigkeiten, die wir wollten. In unbegrenzter Menge.

Und in der Zeit dazwischen war es eigentlich nur noch Stress. Wir haben manchmal die Stunden gezählt und sind soweit gekommen, dass wir Samstag auf Sonntag um 00:01 Uhr in den ersten Schokoriegel gebissen haben. Das ist aus psychologischer Sicht überhaupt keine gute Idee. Und es hat ja auch nicht lange gehalten.

Feste und Feiertage

Das sind so unsere Standards.

Ostern gibt’s ein paar Stück Kuchen und ein (schmales) Osternest. Und Vroni braucht ihre geliebten Waffeleier. Ich auch zwei oder drei.

An Fasching dürfen ein paar Krapfen nicht fehlen und vielleicht ein Schokocroissant.

In der Adventszeit gehen wir mal auf den Weihnachtsmarkt, essen vielleicht ein paar Plätzchen.

Zwischendurch noch ein paar Einladungen zum Essen und Festen aller Art und das wars eigentlich. Alle 6-8 Wochen mal eine oder zwei Cheatmeals… damit können wir umgehen ohne das schlimme Dinge passieren.

Wer Ausnahmen unbedingt vermeiden sollte

Anfänger

Wir plädieren stark dafür, dass Anfänger erstmal einige Wochen ohne Abweichungen von der Ernährungsform verbringen sollten. Sechs Wochen sind das absolute Minimum, 3-4 Monate wären aber echt besser.

Die neue Ernährung muss erstmal sitzen, bevor du davon abweichst. Mittwoch anfangen und Donnerstag unterbrechen klingt nicht so toll, oder?

Für Anfänger sind Ausnahmen also erstmal tabu.

Schwere Rückkehrer

Es gibt Menschen, die haben nach Unfällen und Ausnahmen echt Probleme wieder in die Spur zu kommen. Das kann viele Gründe haben. Wenn du bemerkst, dass dich das betrifft, dann solltest du es Ausnahmen so stark wie möglich beschränken, bis du etwas gefestigter bist.

Zuckersucht nicht überwunden

Solange du deine Zuckersucht noch nicht im Griff oder sogar überwunden hast, solltest du extra-konsequent sein. Dazu haben wir übrigens erst kürzlich einen ganz eigenen Artikel gepostet.

Tiefe Ketose

Wenn dein Ziel tiefe Ketose ist, dann sind Ausnahmen ebenfalls hinderlich. Bis dein Körper wirklich keto-adaptiert ist dauert es oft mehrere Monate. Da wirft Dich jede Ausnahme wieder zurück.

TL;DR

Wer in seiner Ernährungsform gefestigt ist, der kann auch mal davon abweichen, ohne dass doofe Dinge passieren.

Achte drauf, dass es selten ist und dass du dich wirklich noch hauptsächlich gesund Ernährst und nicht nur nicht Fast Food hin und wieder mit Salat unterbrichst.

Woran merkst du, dass deine Ernährungsumstellung wirklich eine Umstellung war? Wenn du beim Bäcker stehst, einen Krapfen kaufen willst und dir vorkommst, als wärst du 16 Jahre alt und Kondome kaufen. Irgendwie verboten und hoffentlich sieht mich niemand ;)

Liebe Grüße,
Nico

 

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Wer schreibt hier?

Wir sind Vroni & Nico und leben seit April 2014 Low Carb nach einer Art LCHF.
Auf salala.de findest Du viele leckere glutenfreie Low Carb Rezepte. Wir wollen Dir dabei helfen einen glücklichen Low Carb Lifestyle zu leben.

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