Ist Gluten für jeden schädlich? (Was ist Gluten? Teil #2)

von 31. Jul 2019Basiswissen Low Carb0 Kommentare

Eine Woche später als geplant, aber dennoch: Teil 2 der Videoserie zum großen Thema Gluten ist da. Und dem entsprechend natürlich auch der Beitrag.

Den vorhergenden Beitrag inklusive Video findest du hier: Was ist Gluten? Teil #1. Und wir machen jetzt genau dort weiter, wo wir letztes Mal aufgehört haben.

Kurz als Zusammenfassung: Gluten ist ein Proteingemisch, das in vielen Getreidesorten enthalten ist. Dieses Proteingemisch hat bei Menschen, die an Zöliakie erkrankt sind, viele unangenehme und teilweise auch gefährliche Auswirkungen.

Entzündung und Schädlings-Fehlalarm

Wenn Gliadin (und in geringerem Umfang auch Glutenin) im Darm aufschlagen, dann reagiert unser Immunsystem. Speziell Gliadin ist, wie bereits erwähnt, ein Schutzmechanismus der Pflanze, die gegen Fressfeinde wirken soll. Unser Immunsystem reagiert nicht wirklich anders als das von pflanzenfressenden Tieren – warum sollte es auch. 

Diese Proteine lösen Schädlingsalarm aus und unser Darm reagiert mit Gegenmaßnahmen, ebenso mit Entzündungen, die aber gar nicht nötig wären. Fehlalarm quasi, dennoch belastend. Das ist kurzfristig natürlich kein Problem – positiver Stress hilft, die Stabilität und Leistungsfähigkeit zu steigern, das ist Training. 

Wenn unser Darm aber über Jahrzehnte hinweg täglich oder sogar mehrfach täglich auf diese Weise gereizt wird, dann wird er zum (kein Wortspiel) Reizdarm – mit den entsprechenden Folgen.

Und genau das tun wir ja – Brötchen zum Frühstück, Leberkässemmel oder Pizza zu Mittag und Abends Pasta. Am Wochenende Semmelknödel zum Braten oder Baguette zum Grillen.


Wir bombardieren unseren Darm, unser Immunsystem und unseren ganzen Körper mit einem Stoff, gegen den er sich wehren will – und muss. Die ganze Zeit.

Wenn zusätzlich zu diesem Bombardement dann tatsächlich echte Zöliakie vorhanden ist, dann werden – aufgrund der Störung – sehr viele Antikörper gegen Gliadin gebildet und der Effekt von Reizung und Entzündung potenziert sich. 

Das hinterlässt bei jedem irgendwann Spuren, ob nun eine Unverträglichkeit vorhanden ist oder nicht.

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Tight Junctions

Gliadin tut aber – neben Entzündungen und Darmreizung – noch etwas anderes, das auch Menschen betrifft, die nicht an Zöliakie erkrankt sind oder an einer Glutensensitivität leiden. 

Dazu muss ich etwas ausholen, aber nur ein kleines bisschen. 

Das “innere” des Darms befindet sich ja nicht wirklich in unserem Körper. Unser Verdauungssystem ist ein Schlauch, der durch unseren Körper geht und die Verdauung vornimmt, aber dieser Schlauch geht mehr durch uns durch, als dass er “drin” ist. 

Stell dir das vor wie den Eurotunnel: er geht durch den Ärmelkanal von Frankreich bis Großbritannien, aber er ist nicht IM Ärmelkanal – ist ja kein Wasser drin. 

Ungefähr so ist das auch mit unserem Darm. Er ist tendenziell undurchlässig gegenüber dem umgebenden Gewebe. Im Unterschied zum Eurotunnel kann er aber zu bestimmten Zeiten bestimmte Stoffe durchlassen. 

Diese teilweise Durchlässigkeit funktioniert über die Darmschranke oder Darmbarriere. Zuständig für das “Duchlassen” sind die sogenannten “tight junctions”. Das ist leider der Fachausdruck und soweit ich weiß gibt es keinen offiziellen deutschen Ausdruck dafür. Wörtlich übersetzt heißt das etwa “dichte Verbindungen” und das beschreibt es auch ganz gut. 

Tight junctions sind Löcher im Darm, etwa wie die Löcher in einem Sieb, die zur Zeit des Transfers von Nährstoffen soweit geöffnet werden, wie nötig. Reguliert wird diese Öffnung der tight junctions durch ein Protein namens Zonulin. 

Gliadin ist nun in fieser Weise in der Lage den Zonulin-Signalweg zu aktivieren. Und zwar auch dann, wenn es noch gar nicht an der Zeit wäre, die Darmwand zu öffnen. Und dann auch noch weiter (größere Löcher) und länger, als vom Verdauungstrakt vorgesehen. 

Das hat dann zur Folge, dass in dieser Zeit Schadstoffe, Toxine und Verdauungsreste vom Darm über die Darmbarriere in den Rest des Körpers und das limbische System übergehen können. Wie du dir denken kannst, ist das weder erwünscht noch gesund.

 

Vielleicht hast du schonmal von “Leaky Gut” gehört. Das ist ein Krankheitsbild, das genau das gleiche beschreibt. “Leaky Gut” bedeutet “undichter Darm” und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Eine Kombination aus Glutensensitivität oder Zöliakie und langfristiger Glutenexposition (Konsum) kann diesen Zustand auslösen. Um ehrlich zu sein, wir sind der Meinung, dass hoher Glutenkonsum (lies: das was für die meisten Menschen als “normal” gilt) Leaky Gut zwangsläufig als Folge hat.

Ob das mit 40, 50 oder 70 Jahren der Fall ist, ist von diversen Faktoren abhängig, aber es wird dich irgendwann erwischen. Früher oder später ist der Schaden groß genug für eine Diagnose. 

Obwohl nur zwischen 0,5-1% der Weltbevölkerung an diagnostizierbarer Zöliakie leidet, liegen die Schätzungen für eine nicht mit Zöliakie verwandte Glutensensitivität bei 30-40%! Die restlichen 60% sind zumindest in Gefahr, eine akute Störung zu entwickeln – je nach kultureller Region etwas mehr oder weniger. 

Aber die Probleme entstehen ja nicht erst mit der Diagnose – in den Jahrzehnten gibt es viele Symptome und negative Effekte, die genau daher kommen. Diese chronische Vergiftung kann jedes einzelne Organ und Körperteil beeinträchtigen und alle möglichen Effekte zur Folge haben – je nachdem, welche Toxine du zu dir nimmst und welche Mengen. 

Eindrucksvoll ist beispielsweise der Fall des kroatischen Tennisspielers Novak Đoković. 

Muskelschwäche im linken Arm und Probleme mit der Atmung

Der Mediziner Dr. Igor Cetojevic wurde auf den kroatischen Tennisspieler Novak Đoković aufmerksam, als er ihn bei den Australian Open spielen sah. Dort wurde er unter anderem darauf aufmerksam, dass Đoković während der Tennismatches große Probleme mit der Atmung hatte. 

Im Sommer 2010 kam es zu einer medizinischen Beratung zwischend den beiden und für Cetojevic war schnell klar, dass Đoković’s linker Arm deutlich schwächer war, als der Rechte – und zwar in einem Maß, dass sich nicht mit der Tatsache erklären ließ, dass Đoković Rechtshänder ist. Novak Đoković berichtete außerdem, dass er sich in den Pausen der Spiele heftig übergeben musste. 

Dr. Cetojevic vermutete eine Glutensensitivität, obwohl dies im Labor nicht nachweisbar war. Er verordnete in logischer Folge glutenfreie Ernährung für den Tennisspieler. Die Leistung und der Gesundheitszustand haben sich schnell stark verbessert. 

Dieser Fall zeigt sehr eindrucksvoll, dass Glutenexposition durchaus Effekte haben kann, die niemand im ersten Moment mit Ernährung in Verbindung bringen würde aber trotzdem damit zusammenhängen.

Gluten und Gewichtszunahme

Joseph von “What I’ve learned” hat einen interessanten Vergleich zwischen dem Gluten- und Kohlenhydratkonsum zwischen den USA und Japan ausgearbeitet. Zur Erklärung: Joseph lebt und arbeitet in Japan, ist aber geborener Texaner.

Die Zahlen beziehen sich auf 2017. 

Amerikaner konsumieren pro Kopf und Jahr im Schnitt 95 kg Weizenprodukte, Japan liegt hier bei nur 50 kg. Im Unterschied dazu liegt der Verbrauch von Reis in den USA bei nur 17,5 kg, in Japan aber 67 kg pro Person. 

Kombiniert liegen die Japaner also bei 117 kg aus Reis und Weizen zusammen, die Amerikaner aber “nur” bei 112,5 kg pro Nase. Japaner essen also tatsächlich MEHR dieser beiden Getreidearten, sind aber im Schnitt (noch) deutlich gesünder und auch schlanker. 

Das ist natürlich nur eine Einzelbetrachtung, denn es gibt hier noch viele weitere Faktoren, die sich auf Gesundheit und Körpergewicht auswirken und sich zwischen Japan und den USA deutlich unterscheiden, aber Gluten spielt hier relativ offensichtlich eine Rolle. Oder mindestens der Weizen.

Es gibt durch einige Studien Hinweise darauf, dass Gluten Leptinresistenz fördert. Leptin ist das Sättigungshormon, das unserem Gehirn sagt “Stopp, du hast genug gegessen!” und sowohl Hunger als auch Appetit stoppt. Leptinresistenz bedeutet, dass unser Gehirn dieses Signal nicht mehr oder nur noch entsprechend schwach hört, was zwangsläufig zu einem höheren Kalorienkonsum führt. Es gibt durchaus noch andere Faktoren, die Leptinresistenz fördern (beispielsweise ein permanent hoher Insulinspiegel durch Diabetes oder hohen Zuckerkonsum). Wenn aber ein blockierender Faktor vorhanden ist, dann ist das Auftreten weiterer Faktoren eine fast unvermeidliche Folge, da es zu Überkonsum kommt. 

 

Darüber hinaus gibt es auch Vermutungen und erste Indizien, dass die Toxine, die durch die Öffnung der Tight Junctions in unser System gelangen, auch wichtige Mikronährstoffe binden können und dementsprechend zu einem Mangel an verschiedenen Nährstoffen führen können. Die direkte Folge kann beispielsweise Heißhunger sein. 

Diese Argumentationskette wird dadurch gestärkt, dass in den USA im Schnitt pro Kopf über 1000 kcal pro Tag mehr konsumiert werden, als in Japan. 

Entzündungen überall im Körper

Entzündungen sind ein heilender Mechanismus unsere Immunsystems. Wenn irgendwo im Körper ein Schädling, ein Gewebeschaden oder Ähnliches entdeckt wird, dann schickt unser Immunsystem allerlei Antikörper und Fresszellen aus, die eben diesen Schaden bekämpfen oder beheben sollen. Entzündung wirken sich aber oft nicht nur lokal an der Stelle aus, die geheilt werden soll, sondern auch im umliegenden Gewebe, das dann ebenso betroffen ist. Entzündungen sind also grundsätzlich nötig um Heilung herbeizuführen, dennoch aber belastend für das ganze System. 

Gluten, spezifisch Gliadin wird aber vom Immunsystem fälschlicherweise als schädlicher Fremdstoff erkannt und unser Immunsystem reagiert. In unterschiedlichem Maß zwar, je nach Grad der Sensitivität oder gar Erkrankung, aber es reagiert. 

Das kann auch nicht verhindert werden. Dr. Alessio Fasano  (Buch: Die ganze Wahrheit über Gluten*) zufolge, können alle Proteine, die wir zu uns nehmen, vollständig zerlegt und verdaut werden. Mit Ausnahme von Gliadin und Glutenin. Hier versagt unsere Verdauung und es bleiben immer und bei jedem Konsumenten Rückstände und auch entsprechende Immunreaktionen.

Auch wenn Entzündungen natürliche Reaktionen unseres Körper sind, wollen wir aber absolut nicht jedes mal, wenn wir etwas essen, welche hervorrufen. Im 2011 veröffentlichten Artikel “Chronic Disease: Are we missing something?” https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3151462/ (dt. etwa: “Chronische Krankheiten: übersehen wir etwas?”) analysiert und listet Dr. James Oschman eine große Zahl an Studien, die die Verbindung zwischen Entzündungen und Erkrankungen wie Alzheimer, Verdauungsstörungen, Krebs, Diabetes und rheumatischer Arthritis zeigen. 

Dr. David Perlmutter (Buch: “Dumm wie Brot. Wie Weizen schleichend ihr Gehirn zerstört.”*) schreibt, dass es keine Körperregion gibt, die von den schädigenden Effekten durch gluteninduzierte Entzündungen nicht betroffen wäre. Ergänzend

Dr. Fasano ergänzt mit der Aussage, dass der größte Teil aller Menschen zwar ohne direkt erkennbare Konsequenz Gluten zu sich nehmen können, aber dennoch zu einem großen Teil von verbesserter Gesundheit und gesteigertem Wohlbefinden berichten, wenn auf Gluten verzichtet wird. Und zwar auch wenn formal keine Glutensensitivität, Weizenallergie oder Zöliakie diagnostiziert werden kann.

Hier geht’s weiter:
Teil 3: Warum ist Gluten plötzlich schlimm?

Teil 1 verpasst? Kein Problem: Was ist Gluten?

Wie schädlich ist dieses Gluten? Sollte wirklich jeder auf Gluten verzichten? Was Gliadin und Glutenin in unserem Darm anrichten können, das erfährst du in diesem Artikel. Danach kannst du selber entscheiden, ob du glutenfrei leben möchtest oder nicht.  #lowcarbwissen #gluten #weizenmehl #glutenfrei #weizenfrei #gliadin #glutenin #glutenfreigesund
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